 The Godfather of Shooters returns!
Wolfenstein 3-D revolutionierte in den 90er Jahren die Welt der Videospiele. Als erstes Spiel der dritten Dimension begeisterte es durch überzeugendes Gameplay, und natürlich durch die bahnbrechende Grafik. Nachfolgern wie Doom verhalf es dadurch zu Legendenstatus. Während die zwei Vorgänger relativ unbekannt blieben, ging Wolfenstein 3-D als Meilenstein in die Game Geschichte ein.
Nachfolgetitel wie Return to Castle Wolfenstein oder Enemy Territory Wolfenstein vermochten nicht an den Erfolg des Originals anzuknüpfen und sind heute nur noch unter Kennern ein Begriff. Nun nach mehr als 10 Jahren hat es sich Id Software zum Ziel gemacht, erneut Ihren alten Helden B. J. Blazkowicz ins Rampenlicht zu bringen. Zusammen mit Raven Software, mit denen sie schon Titel wie Quake 4 gemacht haben.
Wolfenstein beginnt auf einem Schiff der Nazis, Tirpitz genannt. Einen weiteren Angriff auf London planend sind die Deutschen aufs Meer hinausgefahren, wo Ihr jedoch sogleich ihre Pläne vereitelt. Dies durch ein mysteriöses Artefakt, dessen Ursprung es zu erforschen gilt. Nach gelungener Flucht, besprecht Ihr die Ereignisse auch sofort mit eurem Vorgesetzten. Dieser schickt euch anschliessend nach (E)Isenstadt um mehr über das Artefakt zu erfahren. Diesen Vorort müsst ihr jedoch zuerst von Nazis befreien…
Wie immer, wenn ein Nachfolger eines solch berühmten Spieles angekündigt wird, sind die Erwartungen gross und man möchte nicht enttäuscht werden. Wie das beim neusten Titel aus dem Hause Id ist und ob Wolfenstein seinen Vorgängern gerecht wird lest Ihr in diesem Review.
Gameplay
Eines sein schon mal vorweg genommen: Wolfenstein hat ein grosses Problem. Dies ist die Spielzeit. Nur 6-8 Stunden beträgt die Kampagne, trotz aller ergriffenen Massnahmen, diese zu Strecken. Und genau diese Massnahmen sind es, die das Spiel verschlechtert haben, zu etwas gemacht haben was ausser Waffen und Nazis nicht mehr viel gemeinsam mit den vorherigen Titeln zu tun hat.
Um es in die Länge zu ziehen, setze man Elemente aus Rollenspielen ein. Während den Missionen geht es jetzt nicht nur um das Bekämpfen der Nazis, sondern auch um Sammeln von Gold, Informationen etc. Ach was, einfach weglassen denkt man sich. Doch sammelt man dies nicht, so ist man nicht in der Lage seine Waffen nicht zu verbessern, was jedoch unbedingt notwendig ist. Mit einer Standard Waffe hat man zum Schluss keine Chance mehr. Also wird man gezwungen Levels wieder und wieder zu Spielen um auch noch die letzen Items zu finden um endlich vorwärts zu kommen.
Wie oben erwährt seid Ihr in der von Nazi besetzten (E)Isenstadt (Englisch Sprechende haben bekanntlich Schwierigkeiten mit unserem „ei“). Diese ersetzt euer Missionsmenü. Ja, Wolfenstein ist nicht linear, sondern ihr müsst wie in GTA durch eine Stadt laufen um eure Missionen am einem Ort abzuholen, dann euch immer wieder durch die gleichen Strassen kämpfen, auf welchen die Nazis ständig wieder spawnen, dann noch per Karte das Zielort finden (der Kompass ist in der Stadt leider nicht brauchbar, der euch sonst normalerweise das Ziel anzeigt). Dort angekommen wird zuerst eine Zwischensequenz geladen, dann noch das Level und endlich seid ihr bereit eure Mission anzutreten.
Doch nicht nur für Missionen müsst ihr dieses Prozedere immer und immer wieder machen, sondern auch wenn ihr nur etwa eure Waffe upgraden möchtet. Dies geht nicht in einem Menü, nein, ihr müsst hierzu immer wieder in den Laden gehen, und auch wenn er in einem anderen Stadtteil liegt. Dieses Laufen von Punkt zu Punkt ist enorm mühsam und stört den Spielfluss erheblich. Hätte man es doch lieber weggelassen und sich mehr aufs Wesentliche konzentriert. So schlecht das Spiel vor den Missionen ist, so gut ist es aber dafür während den Missionen. Abwechslungsreiche Levels die von unterirdischen Komplex über Burgen, Zeppeline etc. reichen.
Immer an eurer Seite, natürlich eure Waffen, acht insgesamt, die Ihr wie erwähnt upgraden könnt. Klassische WW2 Waffen finde sich, sowie auch experimentellen Nazi Waffen, mit denen Ihr eure Gegner „schmelzen“ oder unter Strom setzen könnt. Leider ist hierzu nur selten Munition vorhanden, da nur spezielle Gegner Waffen gleichen Typus verwenden.
Zusätzlich ist ein antikes Artefakt euerer Ständigen Begleiter, das ihr um die Fähigkeiten wie gesteigerten Schaden, verlangsamte Zeit und Schild für euch erweitern könnt. Um diese Fähigkeiten einzusetzen, begebt ihr euch in eine andere Dimension, die Dimension der Black Sun. Aktiviert ihr diese, so legt sie sich wie ein grüner Schleier auf euere Umgebung, daher auch bekannt als Veil. Hier könnt ihr die Kraft des Aktefaktes einsetzen und euren Gegnern so richtig zusetzen.
Grafik
Wahrlich setzte Wolfenstein 3-D neue Massstäbe in der Grafik. Klar kann man das von Titeln heute nicht mehr in solchen Ausmassen erwarten, dass sie so revolutionierend sich auf die ganze Welt der Spiele sich auswirken. Doch sei es auch so, vom neuen Titel der Serie wäre schon mehr zu erwarten gewesen. Angetrieben durch die hauseigene Doom 3 Engine, bietet das Spiel eindrückliche Innenlevels, doch geht es an die frische Luft, so zeigen sich schnell mal die grenzen der aber langsam sicher ins Alter gekommenen Engine.
Schade, denn viel wird hier mit riesigen Dimensionen, seien es grosse Städte, Luftschiffe etc. gearbeitet, den nicht gerade der Glanz verliehen wird, welchen sie verdient hätten. Doch sei es um die Polygon Anzahl, betrachte man doch nur mal das Design des ganzen. Atmosphärische WW2 Szenarien gepaart mit Übernatürlichen und längst vergangenen Kulturen, welche die Nazis erforschen. Dies bietet abwechslungsreiche Levels. Sei es denn noch nicht genug, so könnt ihr wann immer ihr möchtet in die Welt der Black Sun abtauchen.
Der oben genannte grüner Schleier zieht sich sofort über die ganze Welt, offenbart Verstecke und Geheimnisse. Von der Idee her brillant, doch auch hier wieder teilweise zerstört durch mangelnden grafische Leistung. Abgesehen davon und von den Zwischensequenzen, die wer weiss warum schlechter sind als Game-In Grafik, wie gesagt in engen Korridoren und der gleichen, überzeugt Wolfenstein durch Details, satte Texturen und nicht zu wenige Explosionen.
Sound
Wo es schon ein solches Setting hat, da dürfen natürlich die Sprüche der Deutschen nicht fehlen. Gekonnt wurde sie in die sonst auf Englisch gehaltenen Dialoge integriert und verleihen zusätzlichen Ausdruck. Die deutsche Version des Spieles erscheint anfangs des nächsten Monats, es sei jedoch dahingestellt ob die Dialoge entsprechend auf Deutsch gehalten werden oder ob man sich für die Variante der Untertitel entscheidet, das dies wesentlich authentischer wirkt.
Des Weiteren sind die Soundeffekte der Waffen besonders markant geraten. Nehmt ihr zum ersten Mal eine Standard Waffe auf, so wirkten sie Schusse recht plump. Doch durch Upgrades werden hier wahrlich Unterschiede geschaffen. Vor allem akustisch ist merklich eine Verbesserung zu hören, und die anfänglichen Waffen, wie das Gewehr, werden durch diese Differenzen vollends zum Sniper etc.
Multiplayer
Nach den äusserst erfolgreichen Multiplayern der Vorgängern war hier vom neuen Wolfenstein so einiges zu erwarten. Doch auch hier wird man enttäuscht. Anstelle eines einfachen Mutliplayers der wenigstens Spass macht, haben sich die Entwickler an Titeln wie Call of Duty (Waffenupgrades etc.) orientiert, versuchten dies zu imitieren. Die Umsetzung ist jedoch nicht gelungen. Wie in vielen andern Titeln könnt Ihr euch auch hier für diverse Klassen entscheiden. Jedoch sind die Unterschiede gänzlich klein.
Zur Auswahl stehen Sanitäter, Munitionslieferer und Soldat. Medi Packs, Munitionsboxen oder Sprengladungen sind die entsprechenden Unterschiede. Des Weiteren kann man sich noch seine eigene Waffe erstellen. Wobei man hier nur aus maximal drei Upgrades pro Waffe auswählen kann und nur je eine Verwenden. Erworben werden diese Upgrades durch Dollars die ihr für jeden getöteten Gegner bekommt.
Wie schon angetönt bieten die Klassen nicht viel Abwechslung und die Auswahl der Waffen fällt den Spielern auch nicht schwer, da man mit der Maschinen Pistole immer richtig ausgerüstet ist. Effektiv wie ein Sniper auf Distanz, kein ständiges Nachladen, jeder anderen Waffe überlegen. Und so werdet Ihr euch immer in einer Partie wiederfinden in der sich lauter Soldaten wahllos Kugeln um die Ohren schiessen.
Fazit
Im ganzen Spiele trifft man immer wieder auf halb vollendete Sachen, sein es nun während er Kampagne oder im Multiplayer. Zu viel wurde geplant und dann nicht vollends implementiert. Dies leider auf Kosten des Spielflusses und der Atmosphäre. Wer jedoch ein Fan der Serie ist, der wird über dies hinwegsehen können und den enormen Tiefgang der Storyelemente mit den Vergangenen Titeln interessant finden. Und für alle die die mit nur einem einzigen neuen Wolfenstein noch nicht begnügt sind, können sich auf eine Fortsetzung der Serie freuen. Man möchte an dieser Stelle noch nicht zu viel Verraten, obwohl die Story ziemlich eindeutig, simpel ist, doch es lässt sich absehen, dass euch eure lieben Feinde noch länger erhalten bleiben.
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